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Genetik bewahren: Der Guide zur Selektion von Mutterpflanzen und zur Stecklingszucht

Verfasst: 6:38 am Do Jan 08, 2026
von Xcited
Wer kennt’s nicht? Man hat diesen einen Strain im Zelt, der einfach abnormal riecht oder einen komplett weghaut – und am Ende ärgert man sich, dass man keine Sicherungskopie gemacht hat. Wenn ihr euren "Keeper" (die eine perfekte Pflanze) für immer behalten wollt, kommt ihr um Selektion und Stecklinge nicht herum.

Hier mal mein Workflow dazu:

1. Die Suche nach der "Wunderpflanze"

Ihr startet ganz normal mit euren Samen. Wichtig: Markiert jeden Sämling sofort! (z.B. Pflanze A, B, C...). Lasst sie unter 18h Licht (am besten kühles Weiß, 4000K+) wachsen.
  • Backups machen: Bevor ihr die Pflanzen in die Blüte schickt, schneidet ihr von jeder Pflanze 1-2 Stecklinge. Das sind eure Sicherheitskopien.
  • Der Testlauf: Die Original-Pflanzen schickt ihr auf 12/12 Licht in die Blüte. Die Stecklinge bleiben im Veggie-Zelt.
  • Selektieren: Jetzt wird’s spannend. Schaut genau hin: Wer harzt am meisten? Wer riecht am besten? Männchen fliegen natürlich sofort raus. Am Ende der Ernte wisst ihr, welche Pflanze die Beste war.
  • Die Wahl: Die Pflanze, die im Blütezelt gewonnen hat, wird eure Mutter. Den passenden Klon im Veggie-Abteil behaltet ihr, den Rest könnt ihr aussortieren.

2. Die Mutterpflanze fit halten

Eure Mutti soll kein riesiger Tannenbaum werden, sondern ein Busch mit vielen Trieben.
  • Früh toppen: Kappt den Haupttrieb nach der 2. oder 3. Etage. So wächst sie schön buschig in die Breite (wie ein Sektglas). Ziel ist ein flacher "Teppich" aus Trieben, damit alle Stecklinge später gleich groß sind.
  • Refresh: Ich tausche meine Mütter ca. einmal im Jahr aus. Einfach einen frischen Klon von der alten Mutti nehmen und diese als neue Mutter großziehen – das hält die Vitalität hoch.
  • Wurzel-Tipp: Wenn der Topf zu durchwurzelt ist, mache ich beim Umtopfen einen Wurzelschnitt. Einfach den Ballen etwas einkürzen, das regt neues Wachstum an.


3. Platzsparende Alternative: Die "Rotation"

Wenn ihr kein extra Zelt für riesige Mütter habt: Nehmt einfach von eurer aktuellen Pflanze Stecklinge, kurz bevor ihr sie in die Blüte schickt. Aus diesen kleinen Stecklingen werden eure nächsten Pflanzen (und Mini-Mütter). So wandert die Genetik immer eine Generation weiter, ohne viel Platz zu fressen.



4. Stecklinge schneiden – Worauf es ankommt


Das Ziel ist, dass der Trieb überlebt, bis er Wurzeln hat.
  • Hygiene ist alles: Nehmt ein steriles Skalpell und vielleicht ein bisschen Bewurzelungsgel.
  • Luft-Embolie vermeiden: Schneidet den Trieb schräg ab und stellt ihn sofort in ein Glas Wasser. Wenn Luft in den Stängel kommt, war's das oft schon.
  • Feuchtigkeit: Da der Klon noch keine Wurzeln hat, muss er "trinken", indem er Luftfeuchtigkeit über die Blätter aufnimmt. Also: Ab ins Mini-Gewächshaus bei fast 100% RLF.
  • Profi-Hack: Schneidet die großen Blätter um ca. ein Drittel ab. Das verringert die Verdunstungsfläche und die Pflanze verliert weniger Wasser.
  • Geduld: Bei 20–24 °C (Heizmatte ist Gold wert!) kommen nach 7–14 Tagen die Wurzeln. Sobald sie unten aus dem Jiffy schauen, geht’s ab in die Erde.